Mo.. Juli 13th, 2026

Mit dem Einstieg der Erste Group Bank AG und der Raiffeisen Bank International AG in die European Payments Initiative (EPI) nimmt Europas Versuch, eine eigene Zahlungsinfrastruktur zu etablieren, weiter Fahrt auf. Ziel ist es, den europäischen Zahlungsverkehr unabhängiger von US-Giganten zu machen und mit Wero eine kontobasierte Echtzeitlösung für Millionen von Verbrauchern und Händlern bereitzustellen.

Wero, das zentrale Produkt der European Payments Initiative, ist bereits heute in mehreren großen EU-Märkten aktiv und zählt rund 55 Millionen Nutzer. Die Plattform ermöglicht Echtzeit-Überweisungen direkt von Konto zu Konto und hat seit 2024 schrittweise Person-zu-Person-Zahlungen in Belgien, Frankreich und Deutschland eingeführt. Seit Ende 2025 sind in Deutschland auch erste Retail-Zahlungen möglich, während der Rollout in weiteren Ländern wie Frankreich und Belgien 2026 fortgesetzt wird.

Mit Österreich kommt nun ein weiterer strategisch wichtiger Markt hinzu. Die beteiligten Institute wollen Wero gemeinsam in ein Land mit rund neun Millionen Einwohnern bringen und damit die europäische Reichweite deutlich ausbauen. Die Raiffeisen Bank International beteiligt sich dabei gemeinsam mit regionalen Einheiten wie Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien, Oberösterreich und Steiermark, vorbehaltlich regulatorischer und interner Genehmigungen. Die Erste Bank Oesterreich wiederum bringt als Teil der Erste Group rund 4,3 Millionen Kunden sowie ein dichtes Netz regionaler Sparkassen in das Ökosystem ein.

EPI-CEO Martina Weimert betonte, dass die österreichischen Partner die pan-europäische Infrastruktur von Wero entscheidend stärken könnten. Auch die Führungsetagen der beteiligten Banken sehen in dem Schritt eine strategische Weichenstellung: Für sie geht es nicht nur um ein neues Zahlungssystem, sondern um die aktive Mitgestaltung eines europäischen Standards im digitalen Zahlungsverkehr.

Hinter der Initiative stehen mittlerweile 18 Banken und Zahlungsdienstleister, während mehr als 50 europäische Finanzinstitute Teil des wachsenden Ökosystems sind. Damit entsteht zunehmend ein ernstzunehmender Gegenpol zu etablierten internationalen Zahlungssystemen, die den Markt seit Jahrzehnten dominieren.

Für die europäische Finanzlandschaft könnte Wero damit zu einem der wichtigsten Infrastrukturprojekte der kommenden Jahre werden. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, die breite Händlerakzeptanz und den nahtlosen grenzüberschreitenden Einsatz schnell genug zu skalieren, um im Alltag der Nutzer wirklich relevant zu werden – denn genau dort entscheidet sich der Erfolg jeder Zahlungsplattform.

By BNA

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Please enter CoinGecko Free Api Key to get this plugin works.