In Wien, hoch über der Stadt in den nordwestlichen Hügeln am Weitsicht Cobenzl, versammelt sich am 27. und 28. Mai 2026 eine Szene, die sonst oft getrennt denkt: Bitcoin-Entwickler, Ökonomen, Protokoll-Designer und Akademiker. Das Event „bitcoin++ economics edition“ will genau diese Welten zusammenbringen und fragt dabei nicht weniger als die Grundfrage moderner Geldsysteme: Wie funktionieren freie Märkte, wenn sie direkt in Code gegossen werden?
Im Zentrum steht Bitcoin nicht nur als digitales Asset, sondern als ein System aus Anreizstrukturen. Genau diese Perspektive macht das Event besonders: Statt reiner Technik oder Investment-Pitches geht es um die ökonomischen Mechanismen hinter Protokollen, um Auktionen, Marktdesigns und offene Handelsstrukturen, die auf Bitcoin aufbauen oder mit ihm interagieren. Die Veranstalter sprechen bewusst von der Schnittstelle zwischen „free markets and protocols“, also der Verschmelzung klassischer Wirtschaftstheorie mit kryptografischer Infrastruktur.
Dass erstmals eine nicht-technische Bühne geschaffen wird, ist ein deutliches Signal. Dort sollen wirtschaftliche Forschung, akademische Modelle und theoretische Überlegungen Platz finden, die bisher oft nur am Rand der Bitcoin-Entwicklung diskutiert wurden. Die Idee dahinter ist einfach, aber ambitioniert: Wenn Bitcoin wirklich ein neues Geld- und Marktsystem ist, dann reicht Programmierung allein nicht aus, um es zu verstehen.
Unterstützt wird die Veranstaltung unter anderem von Organisationen wie HRF, NYDIG und Stakwork, die seit Jahren im Bitcoin-Ökosystem aktiv sind. Gleichzeitig bringt das Event eine internationale Mischung aus Entwicklern und Denkern nach Wien, darunter bekannte Namen aus der Open-Source- und Bitcoin-Szene wie etwa Antoine Riard, Max Hillebrand, Rusty Russell, Matt Corallo und weitere Protokollentwickler, Forscher und Gründer, die an der Schnittstelle von Technik und Ökonomie arbeiten.
Die Themen reichen von freien Märkten über offene Protokolle bis hin zu konkreten Mechanismen wie Auktionsdesigns und Austauschsystemen. Besonders spannend ist dabei der Fokus auf „incentive design“ – also die Frage, wie wirtschaftliche Anreize in Bitcoin und darauf aufbauenden Systemen Verhalten steuern, Sicherheit erzeugen und Netzwerke stabilisieren.
Auch der Ort ist kein Zufall: Wien gilt historisch als Zentrum der österreichischen Schule der Nationalökonomie, die stark auf freie Märkte und individuelle Entscheidungen fokussiert ist. Genau dort setzt das Event an und versucht, diese Denktradition mit moderner Kryptotechnologie zu verbinden.
Für Besucher wird das Ganze nicht nur ein Konferenzformat, sondern eher ein Experiment: ein Raum, in dem akademische Theorie auf reale Open-Source-Entwicklung trifft, in dem Ideen nicht nur diskutiert, sondern direkt in technische Systeme übersetzt werden könnten.
Am Ende bleibt die zentrale Frage im Raum: Wenn Geld, Märkte und Verträge zunehmend programmierbar werden – wer gestaltet dann die Regeln der Zukunft?

